Cranach in seiner zeit

 

KURATOR

 

Guido Messling

 

ÜBER DIE AUSSTELLUNG

 

Lucas Cranach (1472-1553) bildet denAuftakt einer der Renaissance gewidmeten Ausstellungsreihe. Das Musée du Luxembourg präsentiert anlässlich seiner Neueröffnung diesen herausragendendeutschen Renaissancekünstler. Der produktive, facettenreiche Maler, der in derersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte, ist beim französischen Publikum nochrelativ unbekannt, da es bisher kaum Gelegenheit hatte, sein umfassendes Werkkennenzulernen.

Die Ausstellung schildert den Stellenwertdes Künstlers in der Geschichte der Kunst und seinen Einfluss auf die Gesellschaftseiner Zeit, die tiefgreifende politische und religiöse Umwälzungen erfuhr.

Anliegen der Schau ist es, die europäischeDimension von Lucas Cranachs Kunst aufzuzeigen. Sein Werk spiegelt den EinflussDürers, dessen Holzschnitte damals schon sehr bekannt waren, sowie flämischerund italienischer Meister wider. Gemälde, Zeichnungen und Holzschnitte vonCranach werden den Werken anderer Künstler gegenübergestellt, um dem Besucherdie verschiedenen Einflussquellen vor Augen zu führen. Eine wichtige Rolle spieltenseine Reisen, die ab 1505 durch seine Anstellung als Hofmaler bei KurfürstFriedrich dem Weisen von Sachsen in Wittenberg begünstigt wurden. Abgesehen vonden künstlerischen Aufträgen seines Dienstherrn wurden Cranach diplomatischeAufträge anvertraut, die sich prägend auf seine Persönlichkeit auswirkten.

Der Kurfürst sandte Cranach unter anderemnach Mecheln an den Hof von Margarete von Österreich, der Regentin derNiederlande, wo sich zahlreiche Künstler und Humanisten aus allen möglichenLändern aufhielten. Der Kontakt mit dieser illustren Gesellschaft führt zueinem Wendepunkt in seiner Karriere. Seine Kunst vervollkommnet sich, wirdeleganter und er widmet sich neuartigen Themen wie beispielsweise derDarstellung tugendhafter Frauen mit runden Formen in Halbfigur, die inaristokratischen Kreisen sehr gefragt sind.

Ein Teil der Ausstellung ist dem Aktgewidmet, dem in Cranachs Werk eine entscheidende Rolle zukommt. Seine äußerst sinnlichen weiblichen Figuren, diesowohl dem antiken (Venus, Diana...) als auch dem christlichen (Eva) Repertoireentlehnt sind, zeichnen sich durch ihre bisweilen beunruhigende Schönheit aus,die sich deutlich von dem Formenkanon der Renaissance unterscheidet. Diesezweideutigen Bilder, die Erotik und Moral miteinander verbinden, bestechendurch ihre vielschichtige Bedeutung. Sie waren so erfolgreich, dass der Malersie in verschiedenen Varianten ausführte. Der geschäftstüchtige Künstler hatteeine sehr gut organisierte Werkstatt aufgebaut, um der steigenden Nachfragegerecht zu werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehenCranachs Produktivität und Originalität. Sein Parcours wird durch Begegnungenmit bedeutenden Vertretern aus dem politischen und religiösen Leben seiner Zeitgeprägt, die durch die protestantische Reformbewegung tiefgreifende Umwälzungenerfährt. In Wittenberg lernt er unter anderem Martin Luther kennen, der vonFriedrich dem Weisen unterstützt wird. Seine Porträts zeigen die maßgeblichen Persönlichkeiten der Geschichtedes Christentums jener Zeit. Cranach stellt seine Kunst auch in den Dienst derneuen Reform: seine Holzschnitte verbreiten die protestantischen Inhalte derReformation. Er trägt zur Entwicklung einer protestantischen Ikonografie beiund parallel dazu führt er auch weiterhin Aufträge für die katholische Kircheaus.

 

Der herausragende Maler gilt dank seinerStellung innerhalb der herrschenden Gesellschaftsklasse und seiner Verbindungmit den intellektuellen Kreisen als einer der originellsten und erstaunlichstenPersönlichkeiten Europas im 16. Jahrhundert.

 

Diese Ausstellung wird von der RMN-Grand-Palais veranstaltet in Zusammenarbeit mit Bozar entwarf und machte seine ersten Stufe im Palais des Beaux-Arts in Brüssel im Herbst 2010.